Kay Saamer Produktgestaltung

Diorama Frühgeschichte Museum Ober-Ramstadt

2009- 2012

Das Diorama zeigt zwei Modelle von Langhäusern der Linearbandkeramiker während der Jungsteinzeit (Neolithikum, 5500 bis 2200 v. Chr.), dem Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen.  Die Häuser waren bis zu 45 Meter lang und hatten eine Breite bis zu 8 Metern. Die Häuser wurden als Schlafplatz und Lager für die eingebrachte Ernte verwendet. Die Tiere befanden sich im Freien, nie im Haus. Die Häuser verfügen über eine Feuerstelle, die dem Zubereiten von Speisen und als Wärmequelle diente, darüber hinaus aber auch wesentlichen Einfluss auf die Haltbarkeit des Daches hatte. Wärme und Rauch hielten trocken, schützte vor Moosen und hielt Nager fern.

 

Bei Erdarbeiten an einem Bauernhof in Ober-Ramstadt wurden die typischen Spuren der sogenannten Erdlöcher und der sich daraus ergebende typische Grundriss eines bandkeramischen Langhauses entdeckt. Die Erdlöcher wurden für die Befestigung der Stämme gegraben. Der Fundort mit Namen Goldgrund liegt an einem Hang auf Basaltuntergrund mit Löß- und Lehmauflage am Roßberg, einem Vulkankegel zwischen Ober-Ramstadt und Roßdorf. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch Standorte ehemaliger römischer Gutshöfe und mehrere Hügelgräber, noch heute wird am Roßberg Wein angebaut.

Das Modell im Maßstab 1:12 zeigt ein Haus mit typischen Grundriss in Hanglage in der Nähe einer Quelle. Die Vegetation entspricht der damaligen sehr warmen Zeit mit vorwiegend Eichen, Linden, Ulmen und Haselnusssträuchern. Die Anbauflächen zeigen exemplarisch Emmer, Einkorn, Erbsen und Lein. In einer Grube mit Leder konnte mit heißen Steinen Wasser erwärmt werden. Der Grubenofen diente dem Brennen der Keramik.

Der Hausbau war zeitaufwendig und konnte nur von größeren Gruppen bewerkstelligt werden. Die Stämme mussten gesucht, gefällt, transportiert und aufgestellt werden, bei dem gezeigten Haus sind das 64 Stämme unterschiedlicher Länge mit einer Gabelung an richtiger Stelle zum Auflegen der First-, Mittel- und Fußpfetten. Dazu kommen Haselzweige und Lehm für die Gefache, geeignete Gräser oder Schilf für das Dach, dünne aber lange Pfosten für die Verkleidungen der hinteren Lagerräume und für für Zwischenböden. Obwohl die Verbindungen nur gebunden waren, ist die Gesamtkonstruktion sehr stabil. Die Verbrauch an Material war jedoch erheblich und der Bau der Häuser stellte schon in der Frühsteinzeit einen wesentlichen Eingriff in die Vegetation dar. Entgegen anderer Meinungen, die von einer Nutzungsdauer von 25 Jahren sprechen, sind wir nach dem Bau des Modells überzeugt, das die Häuser sehr lange genutzt, gut gepflegt und repariert wurden. Ein Neubau dagegen wäre immer mit sehr viel Zeit, großen Strapazen und Gefahren verbunden gewesen.

 

 

In Kooperation mit

Martina Löw

 

www.farbe-funktion-form.de